1180.27 Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung im Kontext der Fluchtmigration
Ziel
Zwangsvertreibung/Fluchmigration ist eine unfreiwillige Flucht aus dem Heimatland und der Heimatgemeinde, um Sicherheit und Überleben zu suchen. Zwangsvertrieben zu sein (Forcibly Displaced People) beinhaltet lebensbedrohliche Gewalt oder einen kumulierten oder plötzlichen Druck zu erleben, der eine Person zur Umsiedlung zwingt. Es gibt verschiedene Arten von «Zwangsvertriebenen», wie Binnenvertriebene, Flüchtlinge, Asylsuchende, schutzbedürftige Personen, Menschen ohne Papiere, Klimaflüchtlinge und andere. Laut UNHCR waren Ende 2024 weltweit etwa 123,2 Millionen Menschen aufgrund von Verfolgung, Konflikten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gewaltsam vertrieben worden – diese Zahl hat sich im letzten Jahrzehnt nahezu verdoppelt(!)
Diese vulnerable Population von Zwangsvertrieben (oder Fluchtmigrant:Innen) ist häufig besonderen gesundheitlichen Risiken und Herausforderungen ausgesetzt. Diese ergeben sich sowohl aus den Lebensbedingungen, Konfliktsituation und Krankheitsprofilen im Herkunftsland, wie auch aus den Umständen der Migrationwege und der Situation im Aufnahmeland.
Obwohl das Schweizer Gesundheitssystem gut ausgebaut ist, stellen Unterschiede in Krankheitsprofilen, Präventionsstrategien und Gesundheitswissen neue Herausforderungen für die Versorgung und Integration von Zwangsvertriebenen dar. Erschwerend kommen Sprachbarrieren, mangelnde Informationen über das Gesundheitssystem, kulturelle Unterschiede, finanzielle Belastungen sowie rechtliche Unsicherheiten dazu.
In diesem Modul werden die wichtigsten Herausforderungen und Lösungsansätze in der Gesundheitsversorgung dieser äusserst vulnerablen und rasant wachsenden Bevölkerungsgruppe dargestellt – sowohl im oft dynamischen internationalen Kontext wie auch in der Schweiz – mit besonderem Schwerpunkt auf Früherkennungs- und Diagnoseansätzen, sowie Überwachungspraktiken bei «real-life» Szenarien.
Inhalte
Um das breite Spektrum an Gesundheitsbedürfnissen der oft mobilen und vulnerablen Bevölkerungsgruppen im reellen Kontext zu erkennen und besser zu verstehen – werden die folgenden Inhalte vermittelt:
• Einführung und Übersicht zum Thema “Zwangsmigration / Fluchtmigration”
• Gesundheitsbedürfnisse bei Zwangsvertriebenen – Gesundheitliche Diskrepanzen zwischen Herkunfts- und Gastgeberländern
• Migrations-spezifische Hindernisse im Zugang zur Gesundheitsversorgung
• Universelle Gesundheitsversorgung, Menschenrechte, Versicherungen
• Besondere Bedürfnisse: Gesundheit von Flüchtlingshelfern
• Wichtige Infektionskrankheiten und Nicht-übertragbare Krankheiten im Kontext der Fluchtmigration
• Screening, diagnostische und präventive Strategien, inkl. Impfpräventable Erkrankungen
• Sexuelle & Reproduktive Gesundheit (speziell der Frauen aus LMICs)
• «Traumatisierte Flüchtlinge» - Mentale Gesundheit, Resilienz and “coping” Mechanismen
Dazu finden ein interaktives Seminar mit Fallbeispielen und Vorbereitung der Projektarbeiten (Tag 1), wie auch ein Kolloquium mit Projektarbeitsbesprechung /-bewertung durch ein Expertenpanel (Tag 2) statt.
Methoden
• Vorlesungen (allgemeine Grundsätze, konkrete Beispiele)
• Interaktives Seminar anhand von Fallstudien in Kleingruppen (Tag 1)
• Kurzpräsentation und Diskussion (LNW Tag 2)
Leistungsnachweis
Gruppenarbeit mit Präsentation
Vor- und Nachbereitung
6 Stunden Vorbereitung, keine Nachbereitung
8 Stunden Heimarbeit zwischen den beiden Modultagen
ECTS-Punkte
1 ECTS-Punkt
Zielpublikum
Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen mit Interesse am Thema.
Grundkenntnisse in Epidemiologie sind von Vorteil, Kenntnisse im Bereich Migrationsgesundheit sind nicht erforderlich.
Veranstalter
Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut, Basel
Leitung
Prof. Dr. med. Daniel Paris, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut, Basel
ReferentInnen
Prof. Dr. med. Sonja Merten, (Swiss TPH, Universität Basel); PD Dr. med. Naser Morina, (Universität Zürich); Dr. med Anne Jachmann, (Universität Bern); Dr. phil Afona Chernet, (Swiss TPH, Universität Basel)
Datum
18. und 22. Oktober 2027
Ort
Basel
Kosten
CHF 1'200.-
Anmeldeschluss
18.08.2027
Spezielles
Zwischen den zwei Modultagen muss am Leistungsnachweis gearbeitet werden. Die Teilnehmenden werden ihre Arbeiten in Kleingruppen vor einem Expertenpanel präsentieren und erhalten eine Bewertung, welche als Leistungsnachweis / -Abschluss zählt.